31.08.26
Noch ein Morgen, wie kein anderer?
Kanzler Merz und seinem Kabinett stehen entscheidende Wochen bevor

VON CHRISTIAN HERMANNS
Berlin. Es ist kein Morgen wie jeder andere. In der Eifelgemeinde Hürtgenwald ist an diesem Samstag Bundeskanzler Merz zu Besuch. Der Ort und insbesondere der Ortsteil Gey haben die aufregendsten Tage der jüngeren Vergangenheit hinter sich. Ein Waldbrand in einer bisher nie dagewesenen Größe hatte nicht nur einen erheblichen Teil der Vegetation zerstört, sondern für einige Stunden auch Einwohner und Häuser ernsthaft bedroht. In seiner Ansprache vor dem Feuerwehr-Gerätehaus von Gey bedankt sich Merz bei den Helfern für ihren rettenden Einsatz.
"Ohne Zusammenarbeit wäre das nicht so glimpflich ausgegangen"
Ohne die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Blaulichtorganisationen sowie Landwirtschaft und Forstwirtschaft wäre das nicht so glimpflich ausgegangen, ist sich der Kanzler sicher. Er stellt aber auch klar, dass ein solches Feuer auf den Klimawandel zurückzuführen ist, der mehr denn je bekämpft werden müsse: „Schauen Sie sich das an, was hier passiert ist: Das ist der Klimawandel! Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen. Aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben.“ Demonstranten am Rande des Termins fordern Merz zu entschlossenerem Handeln auf. Einige kritisieren auch, dass er sich erst jetzt wieder blicken lässt, nachdem das Feuer und sein verlängerter Sommerurlaub vorbei sind. Auch beim Drohnenangriff am Flughafen Leipzig und während des historischen Niedrigwassers des Rheins hatte er sich nicht gezeigt, was seine Beliebtheitswerte hätte vielleicht um ein paar Prozentpunkte ansteigen lassen.
Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg: Einigkeit und Handlungsentschlossenheit beweisen.
Noch ein Morgen, der irgendwie besonders ist. Diesmal Ende August, östlich von Berlin, auf Schloss Neuhardenberg. Terminierte Aufbruchstimmung. Das Kabinett trifft sich, um über die anstehenden Reformen und die über den Sommer dazu aufgelaufenen Meinungen zu beraten. Die Ministerinnen und Minister wollen vor einem schwierigen Herbst und entscheidenden Landtagswahlen im Osten aber auch noch einmal Einigkeit und Handlungsentschlossenheit zeigen: „Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses“, appelliert der Bundeskanzler in seiner Rede vor dem Schloss an seine Mitstreiter und die Bürger. Man müsse gemeinsam diesen weit verbreiteten Missmut abschütteln, der das Land sei langer Zeit lähme. - Auf geht´s! Den Ansatz dazu liefern medienwirksam joggende und fahrradfahrende Minister rund um die Beratungen in klassizistischer Umgebung.
Reformen müssen schnell Früchte tragen
Rekordumfragewerte für die AfD im Osten und auf Bundesebene. Maximale Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Arbeit des Kanzlers. Eine Wirtschaft, der der Schwung fehlt: Die Bundesregierung muss dringend ins Handeln kommen! Da sind sich alle einig. Die Reformen zu Gesundheit, Rente, Pflege und Steuern müssen dringend umgesetzt werden und dann schnell Früchte tragen! Ein spürbarer Bürokratie-Abbau würde das Ganze zusätzlich antreiben. Ob da Kanzler-Appelle für weniger Missmut statt echter Taten noch helfen?
Es darf nicht noch ein Morgen werden wie kein anderer, der Montag Anfang September nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und der Montag nach den Abstimmungen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Ende September. Aufwachen statt Augenreiben …
(Fotos: Bundespresseamt)
