20.09.26
Der Anteil der Kinder in
Deutschland ist leicht gestiegen
Zahlen zum Weltkindertag - Armut und Bildung bleiben große Probleme

VON CHRISITAN HERMANNS
Berlin. Kinder stehen in unserem Leben oft im Mittelpunkt. Einmal im Jahr, am „Weltkindertag“ am 20. September, wird das ganz besonders betont. An diesem Tag werden nicht nur vielerorts Kinderfeste veranstaltet, sondern es wird auch verstärkt auf die Situation von Kindern aufmerksam gemacht. Selbst im vergleichsweise hochentwickelten Deutschland gilt sie als schwierig.
Die gute Nachricht: Der Anteil der Kinder in der deutschen Bevölkerung ist in den vergangenen gut zehn Jahren leicht gestiegen. Zum Weltkindertag meldet das Statistische Bundesamt, dass Ende 2025 fast 13 Prozent der Bevölkerung unter 14 Jahre alt waren. Das entspricht 10,8 Millionen Kindern. 2015 waren es nur etwas mehr als zwölf Prozent bei knapp über zehn Millionen Kindern.
Aber heißt das auch, dass Deutschland kinderfreundlicher wird? - Die Meinungen gehen auseinander.
Nur ein Platz im unteren Mittelfeld
Geht es um das Wohlbefinden der Kinder hierzulande, belegt Deutschland im internationalen Vergleich nur einen Platz im unteren Mittelfeld. In einer aktuellen Vergleichsstudie des UN-Kinderhilfswerks landet Deutschland nur auf dem 25. von 37 Plätzen.
Ein großes Problem bleibt die Armut unter Kindern: Seit Jahren liegt die Quote der Mädchen und Jungen aus armen Verhältnissen in Deutschland laut Unicef bei 15 Prozent. Eine Familie mit zwei Kindern gilt als arm, wenn das monatliche Einkommen unter 3036 Euro liegt. Ein Merkmal für Armut sei, so Unicef, dass die Kinder ohne Frühstück in die Schule kämen und nichts zu essen dabei hätten. Ihnen macht das Lernen weniger Spaß. Sie haben Schwierigkeiten in der Schule und erreichen möglicherweise keinen Abschluss. Menschen aus ärmeren Verhältnissen haben nicht nur schlechtere Bildungschancen, sondern werden auch öfter krank.
Das schlechteste Ergebnis aller Zeiten
In der PISA-Studie haben deutsche Schüler 2025 so schlecht wie nie vorher abgeschnitten. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den getesteten 15-Jährigen „die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA‑Erhebungen erzielt“, heißt es in internationalen Vergleichsstudie. Die Unterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Schüler nahmen weiter zu und sind so groß wie nie vorher seit dem Start von PISA im Jahr 2000. 2025 fehlten einem Viertel der rund 6.700 in Deutschland getesteten Jugendlichen Basiskompetenzen in Naturwissenschaften. In Lesen und Mathematik galt das sogar für ein Drittel der Schüler.
Der Kinderschutzbund warnt zum Weltkindertag vor einer weiteren Schwächung der Kinder- und Jugendhilfe: Steigende Bedarfe träfen vielerorts auf knappe Kassen, fehlendes Personal und überlastete Strukturen. Unter dem Motto „Wen kümmert’s?“ macht der Kinderschutzbund darauf aufmerksam.
„Kinder haben ein Recht darauf, geschützt, gefördert und beteiligt zu werden. Diese Rechte dürfen nicht davon abhängen, wie angespannt die Haushaltslage gerade ist“, sagt Prof. Dr. Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes. „Eine verlässliche Kinder- und Jugendhilfe darf kein Extra für gute Zeiten sein.“
Kinder müssen also weiterhin fest im Mittelpunkt stehen. Nicht nur am Weltkindertag.
(Foto: Wix)